Ein Park in Europa

Als wir drei aus dem angenehm klimatisiertem Auto steigen, werden alle mit flüssiger Lava übergossen. Dreißig Grad, vierzig Grad? Es sind Ferien, Sonntag und der heißeste Tag des Jahres. 

Deshalb versammelt sich die gesamte Republik im Europapark. Neun Komma neun, neun, neun, neun Milliarden Besucher und eine fette Maus, die alle Kinder herzlich begrüßt. 

  

Unsere erste wahnsinns Attraktion sind umgebaute Traktoren, die über Schienen geleitet werden. Wir stehen stolze fünfzehn Minuten in der Mittagssonne, um eine Minute im Kreis zu fahren und Plastikschweinen beim Gruppensex zuzusehen. Es soll so aussehen, als würden sie sich im Schlamm sulen. Sulen sieht aber anders aus. Naja... Danger und ich sind uns nicht sicher, ob eine Minute Hardcore-Fahrt dem lieben Kind gefallen hat und fragen.

 

„Jaaaa, nochmal!“ 

„Was ist denn so toll am Traktorfahren?“ frage ich Junior.

„Hä?“

„Ich will auch nochmal!“ wirft Danger ein.

„Wieso das denn?“

„Wegen den Schweine.“

 

Der Park ist gnadenlos überfüllt, überall das gleiche Theater: „Ich will aber, ihr habt es mir versprochen… buhuhuhuuuu wääähhhäähh“. Nach Fahrten in feuchten Riesenenten, miefenden Holzfässern und vollgeknüllten Oldtimern haben wir Hunger. Als wir uns bei einem Krokettenhorst niederlassen, schenkt uns keiner der Kellner Beachtung. Stinkt einer von uns oder müssen wir erst eine Leuchtrakete zünden, um beachtet zu werden? Das liebe Kind wirft die Tischdeko um - versehentlich - was sich als Vorteil herausstellt. Wir bestellen Pizza, die sowohl optisch als auch geschmacklich frisch Erbrochenem im Nichts nachsteht. Juchu.

 

An der Achterbahn angekommen trifft uns der Schlag. Die Wartezeit beträgt etwa die einer Herztransplantation. Wir riskieren es trotzdem. Das liebe Kind halten wir mit psychologischen Klassikern bei Laune. 

 

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist anthrazit.“

„Das da!“

„Nein.“

„Das da?“

„Nein.“

„Ohmaaaaaan…“

„Nein.“

„Was ist es denn?“

„Die Selbstzerstörungsauslösungsschalterhintergrundbeleuchtungsglühlampensicherungshalterschraube da hinten. Ist doch ganz einfach!“

„Ich mag nicht mehr spielen, das ist doof. Wie lange müssen wir noch warten?“

„Bis es dunkel wird.“

„Ich mag nicht mehr stehen… wääääh... Papa, trägst du mich?“

„Guck´ mal, andere Kinder warten auch geduldig.“

„Ich mag aber nicht mehr… buhuhuuuuuu!“

„Noch ein Laut und wir fahren sofort nach Hause!“

Das Kind ist natürlich nicht blöd. Es schaut sich um, wir mitten in einer zwölf Kilometer langen Warteschlange… es ist unrealistisch, dass wir abbrechen.

„Aber ich mag NICHT MEHR!“

„Guck´ mal, da kotzt einer von ganz oben!“

„Wo?“

„Da!“

„Wo???“

„Jetzt isser weg.“

„Und wo ist die Kotze?“

„Gleich bei uns.“

„Müssen wir da auch kotzen?“

„Nach der Pizza von eben bestimmt“ blögt Danger, der mittlerweile ne knallrote Platte hat.

 

Endlich sind wir drann! Neben mir sitzt ein eine junge Frau, die die ganze Zeit „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott“ wimmert. Sie geht mir so richtig auf den Zeiger. „Oh mein Goooott, oh mein Goooooooott!!!“ Und dann passiert etwas, dass ich schon immer mal machen wollte. Oben angekommen, zeige ich ihr Junior´s blauen Radiergummi, der aussieht wie eine Schraube. „Die hab´ ich vorhin auf Ihrem Sitz gefunden“ quietsche ich sie an... uuuund los geht's! 

 

Ich weiß, dieser Scherz war gemein. Und schlecht durchdacht, denn als wir unten ankommen bin ich taub.

Auf den Abendeinbruch freuen wir uns besonders. Geplant ist ein gewaltiges Feuerwerk, welches auf sämtlichen Plakaten suggeriert, dass sogar Aliens aus dem All erblinden werden. Voller Vorfreude ergattern wir den besten Platz, um das Lichtspektakel zu genießen. Die erste Rakete… pöff, die zweite… pöff, die dritte... püff. Ein riesen Geschiss am Mikrofon, dröhnend laute Musik, die nächste Rakete… ping. Nun folgen drei Raketen gleichzeitig (boah!)... pöff puff knack. Neben uns schreit ein Junge ganz aufgeregt: 

 

„Kraaass! Dem sind chinesische Nuklearböller seine Mutter!“

„Mein Papa hat einen viel größeren Böller!“ gröhlt Junior, während er sich an Papa's Gürtelschnalle festklammert. Die äußerst attraktive Mutter des Kindes sieht Danger mit großen Augen an und blinzelt. Määädel, aktiviere schon mal deine Notlaufeigenschaften - denke ich mir. Alphagorilla gefällt das und grinst blöd. 

 

„Challoooooooo, isch bin Svetlana" fiept die Alte von Weitem und stöckelt auf uns zu. Ihre Brüste wackeln nicht, sie BEBEN.

Danger, angenehm. Das ist Püppi und das hier mein Sohn.“ Ah ja. Kein meine Frau oder wenigstens LEBENSABSCHNITTSGEFÄHRTIN… sondern einfach nur Püppi. Das hat ein Nachspiel. In Slo-Mo streicht sie sich ihre Carmen-Geiss-Gedächtnis-Ekstensions aus dem Dekolleté und reicht ihm die Hand. 

 

„Sie sind zum ersten Mal hier?“ fragt Danger (posthum). 

„Ja, bin isch. Mit meine Sohn Wladimir. Choite seeehr heiss in Eüropa-Park. Isch gaaanz nass!“

 

So, das war´s - wir fahren, und zwar J E T Z T  !

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