Vom Panzer gerettet

Erholungsurlaub auf Fuerteventura: Sonne tanken, Nichtstun, Essen bis der Arzt kommt, Schlafen. 

Perfekte Voraussetzungen zum Hochleistungs-Chillen und Angeben, bedenke ich, was in Deutschland seit Wochen für ein Ekelwetter herrscht. Regen, Sturm, Grau... und das ununterbrochen. Hier scheint die Sonne, es weht ein leichter Wind, die Hotelanlage nebst Sandstrand bietet mehr als ganz Thailand zusammen - ich hoffe, ihr seid neidisch ;-)

 

Mein Tagesablauf ist immer der Gleiche und das Highlight bildet derzeit das Schwimmen im Pool. Denn dort sitzt, der Bräune nach zu Urteilen, seit Monaten DER Ingenieur für Baggertechnik. Wobei Sitzen die unpassende Beschreibung ist. Thronen trifft es eher. Meine Kreise drehe ich wie ein Haifisch und jedes Mal, wenn ich auf ihn zusteuere, schaue ich gezwungenermaßen auf sein Hauptkapital. Auf seiner Liege sitzt er stets breitbeinig und zwar so, dass sich seine Familienjuwelen zu hundert Prozent abzeichnen. Sie erinnern mich an eine 3D-Landkarte. Die Badehose ist maximal eng, besteht garantiert aus hochexplosivem Latexgemisch. Mit angeschwollener Brust und Like-Ice-In-The-Sunshine-Haltung - kerzengerade, Brust raus, Ranzen rein - hockt er da und glaubt, bewundert zu werden. Stundenlang. Seine gespiegelte Sonnenbrille scheint mit Atomkleber festgemacht oder -getackert zu sein. Er bewegt sich kaum. Ich frage mich, ob er im Speisesalon vielleicht hat kiloweise Bananen und Apfelsinen mitgehen lassen. Die Badehose droht zu platzen. 

 

der Püppi | ROCK IN DA BLOG
der Püppi | ROCK IN DA BLOG

Kaum, dass ein attraktives Weibchen an ihm vorbeistöckelt, hört er auf zu atmen und kokettiert mit seinem Odol-med-3-Lächeln. Die Zähne sind gebleicht, tausend Prozent. Unecht sind sie auch. Als sie sich angewidert von ihm abwenden, scheint ihn das richtig geil zu machen. Für einen kurzen Moment überlege ich, ob ich auf ihn zuschwimmen, ihn lasziv zu mir heranwinken und ihn sowas wie "Alter, wieviel Karat haben deine Klöten?" fragen soll. Egal, was er dann antworten würde, würde meine Antwort lauten: "ist nicht wahr...!!!?!?"

 

Etwa zwei Stunden später plumpse ich erneut hammer galant in den Pool. Don Klötos sitzt unverändert majestätisch breitbeinig da und hat Atemschwankungen, sobald Östrogene in seiner Nähe auftauchen. Die Sonne knallt den ganzen Tag auf ihn und ich meine, dass sein Obstkorb dadurch immer mehr anschwillt. Vielleicht bekommt gepflücktes Obst gepaart mit Latex und Platzangst ja noch einen nachträglichen Wachstumsschub; wer weiß...?! Oder sein Blut hat aufgrund des Dauerspagats aufgehört zu zirkulieren und ist dann irgendwo in der Mitte versackt. Plötzlich begrüßt er mich mit einem schmalzigen "Hiiiii", seine Zähne lassen mich nahezu erblinden. Aha, er glaubt also, dass ich auf ihn abfahre. Selbstverständlich ignoriere ich ihn, wohlwissend, dass ihn das richtig anmacht. Doch was tun? Ich könnte ja boshaft sein und seine Mutter beleidigen, doch am Ende liegt die hier irgendwo zwischen den ganzen Sardinen und ich habe nur unnötigen Stress. Wenn ich mir an der Poolbar eine Cola bestelle, könnte ich mir mit der Faust auf den Brustkorb schlagen und ihn schöööööön von der Seite anrülpsen. Auch keine gute Idee, aber wie werde ich ihn los? Oh Gott, hoffentlich steigt er nicht in den Pool und stalkt mich? Immer schmalziger grinst er mich an, cremt seinen 2-Pack laaaangsam mit Kerosin ein, ist maximal von sich überzeugt, sieht uns praktisch schon in einem goldenen Wasserbett nebst Pumavorleger. Sein Blick... einfach widerlich. Doch plötzlich naht Rettung. Eine Frau, nein... ein Panzer setzt sich zu ihm und textet ihn voll. Seine Frau! YEAH! Das muss eine Frau sein! Sofort schwimme ich hin, setze mein Dentagard-Lächeln auf und quietsche winkend und mit einem übergeilen Augenzwinkern: "Heeeeeeyyyy...".

  

Now we have the salad. Panzer böse, Püppi tut schnell wegtreiben, ich hab´ ja nüscht getan...

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