बर्बता

Ich liebe Frühstückssalons in schönen Hotels. Da ist meistens nicht so viel los wie in Café´s, der Kaffee schmeckt sensationell, die Auswahl der Köstlichkeiten scheint kein Ende zu nehmen. 

der Püppi | ROCK IN DA BLOG
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Für mich ist das Luxus pur. Allem voran genieße ich die Stille und studiere Gäste, wie sie völlig zerknautscht an ihre Tische schlürfen. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich keineswegs zerknautscht aussehe, das Ganze bewegt sich eher in Richtung Geisterbahn. Da ich seit einigen Wochen in einem tollen Hotel auf Fuerteventura urlaube und außer Essen, Schlafen, Schwimmen und ... hatte ich bereits Essen erwähnt? - nicht anderes zu tun habe, beobachte ich Leute, stelle mir die eine oder andere Frage. So auch heute Morgen.

 

Der Frühstücksbereich bietet Platz für eine ganze Armee und es gilt freie Platzwahl. Seit ein paar Tagen hockt an ein und demselben Platz ein älteres Ehepaar aus Deutschland. Immer bestens durchstrukturiert. Sie besorgt die Getränke, er ´was zum Beißen. Sie starten gemeinsam das Kauen, trinken synchron und schweigen. Heute setzen sie sich, wie immer, an ihren Tisch (#Erbpacht) und warten, bis der Kaffee gebracht wird. Doch scheinbar dauert ihnen dies zu lange, so dass Verwirrung aufkommt, sie dann nach intensiver und aufgebrachter Beratung aufstehen, um sich nun etwas für die Kiemen zu besorgen. Just in diesem Augenblick betritt ein sehr altes indisches Ehepaar händchenhaltend den Speisesaal und steuert auf den Platz der beiden zu. "Das ist UNSER Platz!" röhrt die Kartoffel beide an. Ich zucke zusammen, mir bleibt fast die Spucke weg. Das indische Pärchen versteht sie offenbar nicht, der Mann hält zitternd an seinem Gehstock fest, die Frau rückt näher zu ihm. "SPRECHEN SIE KEIN DEUTSCH?" Der Blick des alten Mannes verrät Irritation über dessen Lautstärke. "Wir sitzen schon IMMER hier!" blökt der Barbar und plauzt sich demonstrativ auf SEINEN Stuhl. Seine Schnepfe mit ihm. Die Inder verstehen, senken den Blick. Prompt stehe ich auf, laufe auf beide zu, begrüße sie auf englisch, lade sie herzlich ein, neben mir Platz zu nehmen. Die liebe Kellnerin hilft dem alten Mann, sich zu setzen und stellt seine Gehhilfe an die Seite. Sofort versorgt sie uns mit Kaffee und Tee, während ich einen Teller mit Weintrauben und Brioche an den Tisch bringe. Beide sehen mich dankend an, ich kommentiere diesen Deppen nicht. 

  

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Währenddessen hocken die Sumpfkühe an IHREM STAMMTISCH und schlürfen Kaffee, der endlich gebracht wurde und sie komplett aus ihrem Tagesrhythmus gebracht hat. Hoffentlich ersticken sie daran. Und wenn ich etwas hasse, dann sind das Kau-, Schmatz- und Schlürfgeräusche. Macht gefälligst eure Gosch auf! Nachdem sie sich´s gegeben haben, stehen sie auf, um sich auf Nahrungssuche zu begeben. Er läuft mit Rasierklingen unter den Achseln an unserem Tisch vorbei, sie stöckelt wie ein Truthahn hinterher. Ich wünsche beiden Lepra.

 

Dann, wie gewohnt, besorgt sie die Getränke, wiehert ihn fröhlich an: "Cola am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!" und stampft mit zwei Longdrink-Gläsern an uns vorbei. Nun taucht T-Rex auf und stolziert mit mehreren Tellern und Schüsseln an SEINEN Platz. Etwa acht Scheiben Toastbrot, Butter, Nutella, Bacon (getürmt), ich glaube, sie haben die ganze Pfanne Spiegeleier mitgenommen, vier Donuts, einen halben Ring spanische Salami, ein paar Lappen Panecakes, zwei Bananen, ein Puddingplunder, geräucherte Makrele an Zwiebeln, ganze Pulle Ketchup und schieß´ mich tot. Und wer´s glaubt oder nicht... nun sitzen sie da, fressen und echauffieren sich der Dreistigkeit dieser unverschämten Inder von vorhin! Na wartet, denke ich mir - ich weiß, wo euer Liegen wohnen! 

  

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Nachdem mich die Inder gesegnet und in ihr Land eingeladen haben, verabschieden wir uns herzallerliebst. Die zwei Mülleimer nebenan schaufeln noch was das Zeug hält, so dass ich genügend Zeit habe, meinen Plan durchzuführen. Am Pool angekommen pflanze ich mich erst einmal auf DEREN Liegen. Auf die Liegen neben mir drapiere ich Bikini, hätte ich jetzt noch die Playboy oder den HUSTLER hier, dann hätte ich den Mittelteil weit aufgeschlagen (hab´ ich aber nicht), und alle Badehandtücher, die ich besitze.

 

Nun der Moment aller Momente, sie kommen! Ich stelle mich tot, blinzle durch meine Sonnenbrille. Als er mich sieht, bleibt sein Herz stehen. "Reg´ dich  nicht auf Günther, da hinten sind noch andere Liegen". - "Diese Engländer, die nehmen uns alles weg!" schnaubt er. Etliche Male schaut er sich nach mir um, wünscht mir vermutlich den Tod und überlegt, wie er mich aus dem Hotel werfen lassen oder klagen soll. Als sie sich zwei Liegen weiter eingerichtet haben (Leute, fragt lieber nicht, wie lange das a) gedauert hat und b) wie viel Plunder die dabei haben), stehe ich auf, strecke mich demonstrativ und so lange, bis sie mich bemerken. Langsam räume ich das Zeug von MEINEN Barrikade-Liegen und seufze: "Poah, endlich ist das Zeug trocken."

   

P. S. Der Titel ist indisch/Marathi und heißt übersetzt Barbarei. 

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