Have a good flight

Mein sehr junger Arbeitskollege fährt mich mit seinem 150 PS starkem Boliden von Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen - in 9 Minuten. Ich frage mich, warum er nicht Pilot geworden ist, dann wäre ich innerhalb 20 Minuten auf Lanzarote.

der Püppi | ROCK IN DA BLOG
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Nach kurzem Brechreizstop begebe ich mich zum CheckIn-Schalter. Wer vorher online eincheckt, darf ganz ganz kurz (so round about 30 Minuten) am Priority-Firstclass-/Business-/Premium-Schalter warten und dabei zugucken, wie die anderen am Eco-aller-unterste-Schublade-Schalter innerhalb weniger Sekunden abgefertigt werden. Obwohl abzusehen ist, dass die Wartezeit bis zur CheckIn-Lady lange andauert, kruscheln alle hektisch in ihren Taschen, lernen ihren Reisepass auswendig, prüfen, ob dieser überhaupt echt ist, drehen sich 100 x um ihre eigene Achse und tun so, als hätten sie es wahnsinnig eilig. Endlich angekommen setzte ich mein allerhübschestes Lächeln auf und bitte um einen Platz am Notausstiegsplatz. "Dafür hätten Sie vorher... bla bla bla... kostet... geht nicht... weil...." fertigt mich die Pflanze ab.

 

Im Dutyfree zeige ich allen einen Vogel, die eine 300 g M&M's-Tüte für 12,99 € kaufen. Beim Lildl kriegst du dafür 150 kg. Um die Zeit bis zum Boarding zu überbrücken, diesle ich mich mit den neuesten Duftkreationen ein. Wenn ich schon keinen Platz am Notausgang bekomme, dann sollen wenigstens meine Sitznachbarn daran ersticken. Ich bin zickig und suche Opfer.

 

Im Flieger 5 Plätze vor mir 2 Kleinkinder. Jaaaaawoll! Beide kreischen 4 Stunden am Stück, ein wunderbarer Sound. Dass die lieben Eltern nach dem Urlaub urlaubsreif sind, ist sicher. In dem Billig-Charter, in dem ich sitze, kostet ein sog. "Menü" mit 250 g erhitztem Konservierungsstoff, zwei drei Körnern Reis und paniertem Kanarienvogel stolze 6,50 €. Wasser und eine Waffel, die den Hunger antreiben, gibt es gratis. Das Wasser trinke ich, die Waffel schmeiß' ich einem Balg gleich an den Kopf. Wütend schnaufe ich vor mich hin, da ich nicht weiß, wohin mit meinen Beinen. Die Hundeboxen, die am Flughafen für Dackel angeboten werden, sind größer. 

  

der Püppi | ROCK IN DA BLOG
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Ein hochgradig anspruchsvoller Film wird abgespielt. Ich stalke lieber aus dem Fenster; ist spannender. Neben mir sitzen zwei Damen, die Gott sei Dank nicht weiter atmen. Doch vor mir nölt ein Rentner so ziemlich über alles. Es sei ihm zu kalt, dann zu warm, die Luft sei nicht klar genug, das Bordmagazin verknittert und die Sitze zu eng. Alter, der Typ geht mir bis unter die Brust. Dann hätte der gnädige Herr gern ein Kissen, einen Martini auf Eis, ein Monchichi und Lutscher. Das ist ein billiger Charter-Flug, kein A380 der Singapore. Die liebe Stewardess versucht zu besänftigen, er hingegen wird immer blöder. Mir ist noch auf keinem Flug das Glück widerfahren, dass nicht irgendein Trottel etwas auszusetzen hätte; irgendetwas ist immer. Ich überlege, etwas flüssiges mit ein paar ordentlichen Umdrehungen zu bestellen. Wodka, Reisschnaps... die Blagen werden immer lauter... kann ich bitte Nagellackentferner haben? Ein Klopfer kostet 12,00 €. Für den Preis kaufe ich die gesamte Karstadt-Kette auf. Ich belasse es beim Wasser und quetsche mir die Oropax bis hinter das Trommelfell.

 

Der Vogel landet sanft. Noch och auf der Landebahn schnallen sich alle ab, hüpfen auf, reißen die Handgepäckklappen auf, stehen blöd im Gang rum. Oh man... immer das Gleiche. Bis die Türen geöffnet werden, vergehen 15 Minuten, bis das Gepäck ausgespuckt wird, noch mal 15 Minuten. Ich flirte als letzte, die aus dem Flieger steigt, mit dem Piloten. Während ich das tue, spüre ich Eiseskälte. Ich glaube, das sind die Blicke der weiblichen Besatzung; die wollen, dass ich endlich abhaue. Pilot und ich sind traurig.

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