Fiese Glasbomber

Neulich fuhr ich in den Odenwald. Für mich, als Hardcore-Städterin, eine absolute Attraktion. Kaum, dass ich die städtischen Gefilde verlasse, bäumt sich vor mir eine herrliche Bergdoktor-Kulisse auf.

Bunte Felder, blühende Wiesen, große Tiere (wie aus dem Fernsehen), echte Sonnenblumen… hach… - und drei Oldtimer. Mit Tempo 25. Ey. Das sind noch nicht mal Oldtimer, sondern Schüsseln mit geschlossenem Glaskugeldach. Wer begibt sich freiwillig bei 35 Grad in eine Magmakugel auf vier Rädern? Wohlgemerkt bei dem Tempo. Die nächsten 10 km absolutes Überholverbot in Kurvenlage. Bergauf kapituliert mein Automatikgetriebe, ich schalte auf Manuell. Doch auch im 1. Gang droht mein Königsegg abzusaufen. Die Kolonne: Nervenzusammenbruch bis hin zu Tollwutanfall. Natürlich denken alle, ich würde so schleichen, weil die Bomber vor mir nicht zu sehen sind. Irgendwann versucht der Blödmann hinter mir zu überholen. Fehlanzeige. Mich darf man nicht überholen… #Proletenpüppi #Gesichtsverlust

 

Kaum, dass das Verbot aufgehoben ist, kommen mir 1.000 Fahrzeuge entgegen. Logisch. Die Glasbomber rücken keinen Meter zur Seite, so dass ich mich hätte wenigstens auf 2 Rädern hindurch manövrieren können. Keine Chance. Ich schwöre, demnächst werde ich meinen Möp aufrüsten lassen: Kompressorhupe, Kreissägen-Sound bei der Beschleunigung, Bodenboden-Raketen und Laserkanonen. Und vielleicht noch den Luftfilter ausbauen, damit´s auch so richtig schäää bumst.

 

Hinter mir bildet sich eine Schlange, die muss mittlerweile so lang sein, wie der Erdball breit. Erste hupende Ausraster sind zu hören, auch ich habe Schaum vor´m Mund… - der gute teure Lippenstift. Welches intelligente Ziel verfolgen diese Ultras eigentlich? Mir würde es sicherlich keinen Spaß bereiten, stundenlang eine Landstraße zu blockieren, mir das Gehupe anzuhören und vor Glück eskalieren, in einem mittlerweile 60 Grad heißen Thermoroller ohne Fahrtwind zu saunieren. Wollen die damit an den See, tauchen? Vielleicht testen die was für die NASA; in 100.000 Tagen um die Sonne? 

 

Irgendwann ergibt sich eine Chance, ich lasse den Motor aufheulen, die Reifen durchdrehen, qualme alle hinter mir voll und hinterlasse einen fetten Kondensstreifen. Dagegen ist die Formel1 richtig gähn. Es kommt, wie es kommen muss: 300 Meter weiter 2 hintereinander kriechende Traktoren. An sich können die Teile Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h oder mehr erreichen… jedoch ohne Heuballen. Berg runter. Im freien Fall vielleicht. Scheiße.

 

Wenige Minuten später, eine Batterie Tour-de-Odenwald´s vor mir. Mein Puls liegt bei 300 Anschlägen pro Minute. Püppi muss Pippi. Vielleicht sollte ich mir einen Hummer anschaffen, mit dem ich künftig sonntags mit 220 Sachen über sämtliche Wanderwege donner´. Als gerechter Ausgleich sozusagen. Wie in einem Action-Film… vorher wie bekloppt hupen, damit die Menschen kreischend aus dem Weg hüpfen und ich niemanden umniete. Wäre ja blöd. Dazu der Song „Freedom“ von Schosch Meikel. Als ich die Pappnasen überhole, wird mir ganz warm ums Herz. Denn bis zum WC sind es noch ca. 10 Autominuten.

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