Knapp am Knast vorbei

Hinter mir steht die Polizei an der Ampel. Wer gibt den Blinker? Na ich jedenfalls nicht, schließlich möchte ich Strom sparen. 

Als es grün wird, blinke ich dann doch noch. Nicht, dass die beiden schlechte Laune haben und mich wegen so einer Lappalie aus dem Verkehr ziehen. Unauffällig blicke ich in den Rückspiegel und sehe, dass auf dem Beifahrersitz ein mittelaltes Weibchen mit einem sympathischen ich-hab-meine-Tage-Blick hockt. Es kommt wieder zu einer Situation, in der ich blinke und rüber ziehe. Um den Blinker auszuschalten, tippe ich ihn wieder an. In die andere Richtung. Scheiße. Noch eine kurze Vollbremsung, weil etwas Chaos entstanden ist. Sie quasselt etwas… er quasselt etwas. Beide rücken mir auf die Pelle. 

 

Vor mir tauchen eine Brücke, ein durchgezogener Mittelstreifen und ein neongelber Fahrradfahrer mit Unterschallgeschwindigkeit auf. Den würde ich jetzt gerne überholen. Darf aber nicht. Wenn ich ihm in diesem Tempo weiter folge, würge ich meinen Motor ab. Zweieinhalb Kilometer noch. Ich verliere 20 Minuten Lebenszeit und könnte diesen Blödmann erwürgen! Unter der Brücke gibt es nämlich extra für Fahrradfahrer eine Unterführung, aber nööööööööööööö, der muss natürlich den bequemeren Weg wählen.  

 

Im Rückspiegel bildet sich eine kilometerlange Karawane, die mich hasst. Vor mir taucht eine rote Ampel auf. Der Fahrradfahrer fährt drüber, ich bremse. Die Polizei hat´s gesehen, reagiert aber nicht – offenbar haben sie es auf mich abgesehen. Bei Grün fahre ich weiter, hole die Banane auf. Ein Fahrradweg ebnet sich, doch die Banane fährt stur auf der Straße weiter. Im Normalfall würde ich jetzt das Fenster öffnen, langsam überholen und… - lassen wir das. Vielleicht lesen hier Jugendliche mit. Für einen kurzen Moment überlege ich, ob ich die zwei hinter mir nicht heraus winken und anscheißen soll. Vermutlich würde das wegen der Trulla nicht klappen. Stinksaure Frau trifft auf mies gelaunte Frau… da gewinnt nur die Laune des Gesetzes. Plötzlich zieht der Sack in die Mitte, bremst wie ein irrer und biegt links ab, ohne die Birne zu drehen oder auch nur ein Handzeichen zu geben. Vollbremsung II, die blauweißen hinter mir auch und alle dahinter sowieso. Ich bekomme ich einen Tollwutanfall, öffne das Fenster, beleidige ihn, seine Familie und sein hässliches Fahrrad. Hinter mir heult es auf, das Blaulicht geht an, ich bin geliefert. Was die wohl alles mitbekommen haben? Mit einem Bein sehe ich mich schon im Knast.

 

„Guten Tag. Ihre Papiere bitte.“

„Da.“

„Ihnen ist bekannt, warum wir Sie anhalten?“

„Ja, wegen dem Blödmann vorhin.“

„Na na na, jetzt beruhigen wir uns aber erstmal. Welchen Blödmann meinen Sie?“

„Na wegen dem Blödmann von Fahrradfahrer.“

„Warum meinen Sie, dass er ein Blödmann ist?“

„Ist halt meine Meinung und die darf ich in diesem demokratischem Land äußern. Bringen wir es hinter uns. Wie viele Punkte bekomme ich und was bin ich dem Land Hessen schuldig?“

„Ein intaktes Bremslicht.“

 

Fazit: Wäre dieser Blödmann nicht gewesen, hätte das Bremsen ohne Licht schlimme Folgen haben können - besonders in der Dunkelheit. Danke lieber Blödmann und entschuldige bitte, dass ich dein Fahrrad beleidigt habe.

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Kommentare: 1
  • #1

    Schminktante (Montag, 22 August 2016 14:23)

    Na da bist Du aber nochmal glimpflich davongekommen. Sehr schöne Pointe!
    Ich finde, Du solltest ein Buch schreiben. Ich bin heute mit so schlecht gelaunten Menschen in den Tag gestartet, das ich ebenfalls ganz grummelig wurde. Und jetzt lese ich mich wiedermal quer durch Deinen Blog und mach mir fast in die Hose vor Lachen!
    Mehr davon bitte!! :-))
    Und DANKE dafür, dass Deine Texte heute meinen Tag retten!
    LG
    Anja